Kapelle Schloss Wyher Ettiswil

Die Geschichte der Kapelle Schloss Wyher Ettiswil

Die spätgotische Kapelle wurde von Schweizerkönig Ritter Oberst Ludwig Pfyffer von Altishofen, seines Zeichens Ritter, Schultheiss und Pannerherr zu Luzern und Besitzer von Schloss Wyher, erbaut. Der Sturz trägt die Jahrzahl 1592. Die Stiftungsurkunde der Kapelle Schloss Wyher befindet sich im Landesmuseum Zürich und meldet als Weihejahr 1593. Das Schloss und die Kapelle wurden 1837 von der Bauersfamilie Hüsler käuflich erworben. 1990 wurde auf Betreiben der Gemeinde Ettiswil eine Stiftung errichtet. Bis 2026 sorgten die Einwohnergemeinde und die Kirchgemeinde Ettiswil sowie die Familie Hüsler für Betrieb und Unterhalt.

 

Auf der Giebelwand über dem Eingang zur Kapelle befindet sich eine prächtige, gegen zwei Meter grosse, gemalte frühbarocke farbenfrohe Mutter Gottes mit Kind, auf der Mondsichel stehend. Auf dem östlichen Kapellenfirst erhebt sich auf zwei Pfosten ein schlanker Dachreiter mit sechseckigem geschweiftem Spitzhelm und zierlichem Kreuz. Das Langhaus des kleinen Heiligtums bildet mit dem dreiseitig geschlossenen Chor einen einheitlichen Raum.

 

Im Innern der Kapelle steht der frühbarocke Altar. Er trägt auf der Predella die Dedikationsschrift des Stifters Jost Pfyffer von Wyher, der auch Stadtschreiber zu Willisau war. Der Altar gehört der Kunst des Hans Ulrich Räber, des grossen Luzerner Bildschnitzers an. Das Altarbild stellt die Heilige Familie mit dem Jesusknaben auf dem Gang zum Tempel nach der Art von Murillo dar. Über ihnen schwebt Gott Vater und der Heilige Geist. Auf dem Altar stehen zwei prächtig geschaffene Engelstatuen mit Füllhörnern als Kerzenhalter. Zur rechten Hand befindet sich ein Beichttürchen zum Wenden. Die Bestuhlung, die als ganz eigenartig bezeichnet werden muss, steht auf balkenartigen groben Holzbrettern. Für die Schloss-Herrschaften ist eine sogenannte Stallung vorhanden. Den Gästen und dem Gesinde stehen Kniebänke mit Armlehnen zur Verfügung. Das gewöhnliche Volk muss sich mit einem Kniebänkchen begnügen, auf dem man knien und sitzen kann. Im 18. Jahrhundert sind die an den Wänden aufgehängten und gerahmten Gemälde einzelner Heiligengestalten in das Kirchlein gekommen: die Madonna von Loreto mit schwarzem Gesicht sowie die Bilder der hl. Barbara, der hl. Magdalena, des hl. Jost und des hl. Franziskus.

 

Die heute sichtbaren Freskenmalereien wurden zweimal überstrichen und zwar um 1660 mit Leimfarbe und zwischen 1910 bis 1920, als die Bilder wieder zum Vorschein kamen, mit Kalk. Es steht fest, dass die freiwerdenden Seccomalereien vom Schweizerkönig Ludwig Pfyffer in Auftrag gegeben wurden. Die Seccomalereien zeigen an den Längswänden die Verkündigung, Christi Geburt, die Kreuzigung und die Auferstehung, sowie an der Rückwand das Jüngste Gericht. 

2024 wurde die Kapelle umfassend restauriert. 2026 wurde die Stiftung aufgelöst und die Kapelle in die Kirchgemeinde Ettiswil überführt.

Dorffest 1977

Im Jahre 1977 beschlossen die Vereinspräsidenten von Ettiswil im Einvernehmen mit der Erbengemeinschaft Hüsler-Boog, Weyerhushof, die Renovation der Schlosskapelle Wyher in die Hand zu nehmen. Es wurde ein Dorffest organisiert. Dieses fand am Wochenende vom 14./15. Mai und am Dienstagabend, 17. Mai 1977 statt.

Durchgeführt wurde aber auch eine Geldsammlung. Mit Unterstützung der Denkmalpflege konnten die nötigen Mittel für die Erneuerung der Schlosskapelle, die der Schweizerkönig Ludwig Pfyffer im Jahre 1592 erbaut hatte, zusammengebracht werden. Bei der Innenrenovation der Kapelle wurden grossflächige und wertvolle Fresken entdeckt. Die Erhaltung dieser Fresken kam auf rund Fr. 200’000.-- zu stehen.

So gelangte das Sammelkomitee mit Fritz Steiner (Gemeindepräsident), Leo Steinmann (Gemeindeschreiber) und Franz Stocker (als Kirchmeier) mit der Bitte an die Bevölkerung mit einer Gabe zu helfen, um die wertvollen Fresken zu erhalten. Die Basis war nun gelegt, um die kostspielige Renovation in Angriff zu nehmen.

 

Flyer Dorffest 1977 (Vorderseite)

Flyer Dorffest 1977 (Innenseite)

Restaurierung 1977 - 1985

Nach einer längeren Plan- und Bauphase (1977 bis 1985) wurde am Sonntag, den 16. Juni 1985 die Schlosskapelle Wyher von Regionaldekan Domherr lic. theol., Luzern, eingeweiht. Im Einvernehmen mit der Erbengemeinschaft Josef Hüsler-Boog wurde vorgesehen, eine kirchliche Stiftung zu errichten. Das Kapellengrundstück war bereits ausgemarcht. Die glücklich vollendete Erneuerung der Kapelle wurde 1977 durch die Vereinspräsidenten von Ettiswil beschlossen und mit einem wohlgelungenen Dorffest eingeleitet. Zugleich wurde ein Sammelkomitee bestimmt. Die Erbengemeinschaft Hüsler beauftragte damals Fritz Steiner mit der Leitung und Durchführung der Restauration. Josef und Gabriel Wey, Sursee, wurden als Architekten bestimmt. Die Überwachung der Renovation erfolgte durch den Kantonalen Denkmalpfleger, Dr. Andre Meyer, Luzern, Dr. Peter Felder, Denkmalpfleger des Kantons Aargau, Aarau und den Urschweizerdenkmalpfleger Alois Hediger, Stans.

Eine im Januar 1977 durchgeführte Untersuchung ergab, dass alle drei Wände des Schiffes mit über 30 m2 Freskenmalereien geschmückt waren. Diese wurde zweimal überstrichen und zwar um 1660 mit Leimfarbe und zwischen 1910 bis 1920, als die Bilder wieder zum Vorschein kamen, mit Kalk. Der Untersuch ergab ferner, dass die Fensternischen in den Laibungen mit Ranken, Früchten und Blumen geziert waren. Über die Fresken im Schiff gab eine Einsendung im «Vaterland» vom 30. April 1904 (Nr. 98) Auskunft. Damals war ein Teil der Übermalung aus dem 17. Jahrhundert abgefallen. Es wurde eine Aktion zur völligen Freilegung der Bilder gestartet. Im erwähnten Artikel «Kunstnotiz» wurde ausgeführt, dass auf den Längswänden Maria Verkündigung, Christi Geburt, die Kreuzigung Christi und die Auferstehung Christi dargestellt waren. Die Westwand (Rückwand) schloss mit dem Jüngsten Gericht. Die Aktion für die Fresken endigte damit, dass die Wände der Kapelle mit Kalk überstrichen wurden. Die Freilegung und Behandlungen der Fresken wurden von der Restauratorenguppe Heinz Schwarz / Erich Spillmann, Kriens, vorgenommen. Die Kosten beliefen sich auf nahezu Fr. 200’000. -.

Von der eidg. Denkmalpflege wurden die Fresken als sehr wertvoll bezeichnet. Die Wandmalereien sind weder datiert noch signiert. Sie dürften kurz nach der Erstellung der Kapelle geschaffen worden sein. Der Maler hat damals die noch nachwirkende Stilstufe der Spätgotik überwunden und sich vollständig der Renaissance und weiter auch gleich dem Manierismus zugewendet.

 

Aus der Heimatvereinigung des Wiggertals 1985 (Heft 43)

Text von Fritz Steiner, Ettiswil

Restaurierung 2024 und Einweihungsfest

Restaurierung 2024

Nach aufwändigen Vorarbeiten konnte im März 2024 mit den Arbeiten der Innen- und Aussenrestaurierung der Kapelle gestartet werden. Es sind verschiedenste Arbeiten ausgeführt worden. Im Aussenbereich wurden Arbeiten am Turmreiter, Neueindeckung mit handgefertigten Lärchenschindeln, ausgeführt. Auch die gesamte Dachfläche ist umgedeckt worden, die Biberschwanzziegel wurden gereinigt und wiederverwendet. Bei der Eingangsfassade konnte das Madonnabild restauriert werden. 

Im Innenbereich wurden die Fresken in einem aufwändigen Verfahren restauriert, damit die Fresken auch erhalten bleiben. Der Altar wurde ausgebaut und bei der Restaurierungsfirma gereinigt und restauriert. Sämtliche Bänke wurden demontiert, geschliffen und neu geölt. 

Auch der Holzboden und das Brusttäfer sind gereinigt und neu geölt worden. 

Sämtliche Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege ausgeführt. 

Die vielen Arbeiten lassen die Schlosskapelle Wyher in neuem Glanz erstrahlen und es kann auch sichergestellt werden, dass die wertvollen Zeitzeugen der weiteren Generationen erhalten bleibt. Es lohnt sich Zeit zu nehmen und auch einen zweiten Blick auf die vielen Details zu werfen. 

 

Einweihungsfest vom 19./20. Oktober 2024

Seit dem Bau der Schloss Wyher Kapelle sind 432 Jahre vergangen. Dank grosszügigen Spenden aus der Bevölkerung, Einwohnergemeinden, Kirchgemeinden, Stiftungen, Unternehmen sowie der Denkmalpflege konnte die Kapelle 2024 saniert und restauriert werden. Dafür sprachen die Kirchgemeinde und der Stiftungsrat allen einen riesigen Dank aus. Am Wochenende vom 19./20. Oktober 2024 fanden die Neueinsegnung und das Einweihungsfest statt.

Mit einem feierlichen Gottesdienst am Samstagabend wurden nach der Renovationszeit die Türen zur Kapelle wieder geöffnet. Diakon Kurt Zemp begrüsste die Kirchgänger mit den Worten: »Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Bewunderung, hier in diesem Raum gefüllt mit lieben Leuten sein zu dürfen». Man dürfe sich freuen, heute gemeinsam Gottesdienst zu feiern, an einem Ort, dessen wunderbarer Innenraum man wahrnehmen und spüren könne, in einem Bauwerk, in welchem sich jeder Stein in den nächsten einpasse und somit Geborgenheit schaffe, predigte Diakon Zemp. Dieses sakrale Bauwerk lade die Gläubigen ein, den Lebensweg in einem «Miteinander» zu begehen. Im Anschluss segnete Kurt Zemp die Kapelle neu ein und entliess die Gemeinde mit dem Lied «Ein Haus voll Glorie». 

Das Klösterli 1 und 2 im Schloss Wyher waren am Sonntagmorgen fast bis auf den letzten Platz besetzt. Alex Schwegler, Präsident Stiftungsrat Kapelle Schloss Wyher, begrüsste die vielen Besucher zum Einweihungsfest. Diakon Kurt Zemp sprach von einem Juwel und Kraftort der Talschaft und predigte, dass sich seit dem Bau der Kapelle doch vieles verändert hätte, manches zum Guten, doch nicht jede Entwicklung hätte einen Gewinn bedeutet. Seine lebendige Predigt freute die Gemeinde. «Aus welcher Überzeugung Pfyffer 1592 die Kapelle erbaut hat, entzieht sich unserer Kenntnis, was wir nun mit der Restaurierung und Sanierung geschaffen haben ist jedoch ein sanftes Liebeszeichen». Diese Liebe lebe, wenn man beim Spaziergang an dem Baudenkmal vorbeigehe. Viele einzelne Mosaiksteine ergäben erst ein ganzes Bild, sei dies nun bei den Wandfresken, in der Liebe zu Gott, durch die Gottesdienstbesucher, die zur Gemeinschaft zusammenfinden oder auch durch das persönliche Engagement in der Nachbarschaft, der Familie und der Erziehung der Kinder.

Daniel Felber orientierte als Bauleiter über die getätigten Renovationsarbeiten und erinnerte sich an «unser Chäppeli», das ein grosses Heimatgefühl auslöse. Nebst der Erwähnung der baulichen Arbeiten wies er speziell auf die Turmkugel hin, in welcher wertvolle Zeitzeugen hinterlegt seien. Man hätte Briefe gefunden von 1929 und 1979. Darin sei u.a. zu lesen gewesen, dass man 1979 9’540 Lärchenschindeln innerhalb von 160 Arbeitsstunden mit Dachdecker und Schülern in Frondienst ersetzt habe. Nun hat man eine neue Botschaft in der Kugel hinterlassen. Daniel Felber dankte allen Beteiligten für die wertvolle Zusammenarbeit. So habe man gemeinsam mit der Denkmalpflege sicherstellen können, dass diese Baute als Zeitzeuge auch für die nächsten Generationen erhalten bleibe.

Franz Wüest vom Sammelkomitee, welches sehr grosse und erfolgreiche Arbeit verrichtete, hielt nochmals einige geschichtliche Eckdaten fest, erklärte die Fresken und erwähnte, dass die Kapelle nun bald an die Kirchgemeinde übergeben werden soll. Die Solidarität der Geldgeber sei mehr als nur eine Geldgabe. Vielmehr zeige es Solidarität und Zuneigung zu einem speziellen Ort in der Gemeinde. Er dankte für die grosse Unterstützung in der Bevölkerung. Man war sich einig: Die Schlosskapelle Wyher bietet nun der Bevölkerung wieder einen Ort der Ruhe, der Gemeinschaft, der Liebe und des Friedens.

Aktuelle Fotos (Galerie)

Historische Unterlagen

Kapelle Weierhaus

Ansicht von 1913

Archiv Kant. Denkmalpflege Luzern

Innenansicht vor der Restaurierung 1977

Archiv Kant. Denkmalpflege Luzern

Ansicht von Osten - vor und nach der Restaurierung 1977

Archiv Kant. Denkmalpflege Luzern

Ansicht von Westen - vor und nach der Restaurierung 1977

Archiv Kant. Denkmalpflege Luzern

Zeitungsartikel Luzerner Tagblatt vom 2. Juni 1977

Innenansicht nach der Restaurierung 1986

Archiv Kant. Denkmalpflege Luzern